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Grundstein der Kirche in Grünbühl ist ein Kindergarten
Gotteshaus feiert 50. Geburtstag - Konfessionelle Unterschiede sind in dem kleinen Stadtteil unwichtig geworden
13.06.2005

50 Jahre alt wird im Sommer die evangelische Martinsgemeinde in Grünbühl. "Seltsam", sagt Pfarrerin Gunhild Mayer, als sie feststellt, dass auch sie selbst in diesem Jahr dieses Alter erreicht hat. Es ist den beiden nicht anzusehen, sie machen einen sehr dynamischen Eindruck. Seit einem halben Jahr ist die Kirche - für evangelische Gotteshäuser unüblich - täglich geöffnet bis 19 Uhr. Jeder ist zu "Stille und persönlichem Gebet herzlich eingeladen". Das Angebot werde von Einzelnen angenommen, freut sich Gunhild Mayer. Seit sieben Jahren verwandelt sich die Kirche zweimal im Monat in ein Bistro. Bei Kaffee und Kuchen werden dann gleich neben dem Altar Kontakte geknüpft und vertieft. Zum weltlichen Projekt der Mädchen- und Frauenwoche Ende Juni hat die Kirchengemeinde Ideen und eigene Beiträge beigesteuert. "Wir leben mit den Menschen hier." Das ist Gunhild Mayers Verständnis ihrer Stelle. Seit neun Jahren ist die gebürtige Stuttgarterin in dem Stadtteil, in dem sie "den Zusammenhalt der Menschen" schätzt. Vieles spiele sich bei Begegnungen auf der Straße ab. Wenn die Pfarrerin im TSV-Vereinsheim zu Abend isst, kommt sie auch mit Menschen ins Gespräch, die nicht in die Kirche gehen. Dabei käme oft Tiefgründiges zur Sprache.

Palette an Angeboten
Es gibt noch eine ganze Palette an mehr oder weniger üblichen Angeboten der Kirchengemeinde: vom "Kinderbibelspaß" über Mutter-Kind-Gruppen, Jungschar und Seniorenkreis bis zur Begegnungsarbeit mit Russlanddeutschen. Dafür muss die Martinskirche laut Mayer "ganz schön ackern". Mit 813 Mitgliedern ist sie die kleinste Gemeinde im Kirchenbezirk Ludwigsburg. Sonnenberg und Oßweiler Höhe gehören dazu. Die 75-Prozent-Stelle der Pfarrerin wird ergänzt von einem Messner, einer Sekretärin, zwei Organisten und zwei Kindergärtnerinnen des angeschlossenen Kindergartens. Er ist die Zelle, aus der heraus sich die Gemeinde entwickelte. Lange bevor es ein Kirchengebäude gab, gab es einen Platz für Kinder. Beim Aufbau Grünbühls stand - das zeigt auch die Geschichte der Eichendorffschule - immer die Jugend als Träger der Zukunft im Blickpunkt. Es waren die Kindergartenschlüssel, die der Architekt am 31. Juli 1955 dem Pfarrer Rieker aushändigte. Vor jedem Gottesdienst hieß es die Puppen wegräumen. Erst 1991 wurde mit dem imposanten kleinen Bau des Architekten Edmund Wörz die Martinskirche eingeweiht.

1991 hat Provisorium ein Ende
Die enge Zusammenarbeit mit dem Kindergarten ist geblieben, wie Gunhild Mayer betont. Geblieben ist auch die Ökumene, sichtbar unter anderem beim gemeinsamen "Gottesdienst im Grünen". Einst war es die Not, welche alle Konfessionen in einer einzigen Barackenkirche beherbergte. Heute sagt Pfarrerin Mayer: "Der Stadtteil ist so klein, da sind konfessionelle Unterschiede unwichtig für das Miteinander."

Astrid Killinger